Evangelische Dreieinigkeitsgemeinde Mannheim

Evangelische DreiEinigkeitsGemeinde

Sandhofen - Blumenau - Scharhof

Dreifaltigkeitskirche

Da steht sie in der heutigen Form seit 165 Jahren auf einem Kirchhof.
Eine neuromanische Kirche.Eingerahmt von einer denkmalgeschützten Friedhofsmauer.
Die dicken Sandsteinmauern und das große Zeltdach vermitteln das Gefühl einer Beständigkeit und Geborgenheit in den heutigen unruhigen Zeiten.Schon aus der Ferne kann man sie sehen und jeder in Sandhofen kennt sie.
Ein Kirchengebäude bzw. ein Kirchenraum ist für mich in erster Linie ein Ort für Spiritualität, ein Ort, in dem Glaubensüberlieferungen, – erfahrungen zum Ausdruck kommen.

Mein erster Kontakt mit der Dreifaltigkeitskirche Sandhofen war sehr persönlich – ich habe dort 1967 als „Auswärtiger“ eine waschechte Sandhöferin geheiratet.

Der Kirchenraum hat mir gleich auf Grund seiner Schlichtheit gut gefallen.
Es ist einfach ein in sich stimmiger Raum, in hellen Farben gehalten und wenn die Sonne durch die Fenster scheint bekommt der Raum noch eine zusätzliche besondere Wirkung.

Wenn man diesen Raum betritt, ist man sofort in einer anderen Situation.
Er ist sehr still im Vergleich zu dem Lärm, zu dem man dann später hinausgeht.

Auch heute, - wir gehörten damals der Jakobusgemeinde an - hat, nachdem die Dreifaltigkeitskirche nach der Fusion der zwei Sandhöfer Gemeinden wieder in dem Mittelpunkt gerückt ist, diese Wirkung auf mich nicht nachgelassen. Es ist immer wieder ein Erlebnis diesen umschlossenen Raum zu betreten, in dem ich hinaustrete aus einer quirligen Welt und hineintrete in eine andere Welt der Ruhe.

 

 

 


Eine Besonderheit ist die Orgel, sie wurde 1862 von Johann Heinrich Schaefer errichtet.
Sie ist heute die größte noch erhaltene Orgel Schaefers. Heute gehört die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche zu den wenigen Instrumenten aus der Epoche der frühen deutschen Orgelromanik.
Die Orgel ist bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben, so gehört sie auch zu den ältesten original erhaltenen Orgeln in der Metropolregion Rhein-Neckar.

 

 

 

Das Innenleben der Orgel ist sehr verwirrend. Sie wurde als sogenannte Registerkanzellen-windladen angefertigt. Die Windkanäle kann man unten rechts gut erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses System war damals besonders innovativ und wurde in den letzten Jahren wieder neu entdeckt.

Als frühe Kegelladenorgel mit außergewöhnlichem, romantischem Klang steht sie unter Denkmalschutz. Sie ist ein Instrument von überregionaler Bedeutung und von unbezahlbarem historischem, künstlerischem und klanglichem Wert.

Aber es gibt noch mehr zu sehen. Unsere Landeskirche führt zurzeit ein Liegenschaftsprojekt oder besser gesagt eine Bestandsaufnahme durch und ich habe einen Mitarbeiter der damit beauftragten Firma durch alle unsere Gebäude begleitet.

So auch die Dreifaltigkeitskirche.
Mit einem Lasermessgerät haben wir die ganze Kirche, jeden Raum, jede Ecke und Winkel vermessen.
Alles eingetragen und fotografiert.

Der Kirchturm ist exakt 44,20 Meter hoch. Was viele Sandhöfer vielleicht nicht wissen, das Gelände und das Kirchenschiff gehören der Stiftung Pflege Schönau, der Kirchturm gehört der Ev. Kirchengemeinde Mannheim.

Der Kirchturmaufstieg – ein Abenteuer.
Es ist schon ein besonderes Erlebnis den Kirchturm hinaufzusteigen. Nach genau 85 Stufen erreicht man etwas außer Atem als erstes den gewaltigen Dachstuhl.


Was für eine unglaubliche Konstruktion, die sicher dem Statiker einiges Kopfzerbrechen bereitet, und den Zimmerleuten wohl ihr ganzes Können abverlangt hat.
An manchen Stellen gibt es schon leichte Schäden, die man im Auge behalten sollte.

 

 

 

 

 

 

Kirchturmuhr

Schöne und große Uhren mit goldfarbigen Zeigern und Lettern am Kirchturm zeigen zuverlässig die Zeit in alle Richtungen an.
Wer jetzt aber erwartet im Turm ein imposantes surrendes und tickendes Uhrwerk zu finden wird vergeblich suchen.

 

 

 

 

Sicher hat es dies früher gegeben, aber mit der Zeit mitgegangen, werden die Uhren heute jeweils von einem kleinen Motor und einer Synchronsteuerung angetrieben.

 

 

 

 

 

Weiterhinauf gelangt man nach 19 Stufen in den Glockenturm.
Dieser ist nicht mehr begehbar, man kann nur hineinklettern.
Wenn man da so hinaufschaut, fragt man sich was waren das für tolle Fachleute, die diesen Glockenstuhl und Glocken da hineingebaut haben.

 

 

 

 

Die Glocken der Dreifaltigkeitskirche haben eine bewegte Geschichte. Die vier Bronzeglocken der Dreifaltigkeitskirche wurden 2007 von der Glockengießerei Bachert gegossen.

Die größte ist die Dreifaltigkeits-
glocke, die Inschrift lautet:
„Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist“.
Sie wiegt 1950 Kg und hat den Ton „d“.
Es folgen:

Die Paulusglocke, die Inschrift lautet: „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde bauen“.
Sie wiegt 1250 Kg und hat den Ton „e“.

Die Apostel Petrusglocke, die Inschrift lautet:
„Suchet den Herrn, solange er sich finden lässt; ruft ihn an, solange er nahe ist“.
Sie wiegt 850 Kg und hat den Ton „g“.

Und die Johannesglocke, die Inschrift lautet:
„Wer glaubt, der hat das ewige Leben “. Sie wiegt 640 Kg und hat den Ton „a.“

Das sind insgesamt 4690 kg die dort oben in der Turmspitze hängen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 4 Glocken ersetzten drei Stahlgussglocken, die 1921 beschafft worden waren, nachdem das vorherige Geläut im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden musste.
Diese sind heute links von der Kirche aufgestellt.

Nach 3 Stunden waren wir mit unseren Messungen fertig und ich kenne jetzt die Dreifaltigkeitskirche vom Keller bis in die Turmspitze.

Sie ist eine der wenigen gut erhaltenen Kirchen im neuromanischen Stiel und steht unter Denkmalschutz.

Sie wurde erstmals 764 als Aussiedlerkirche vom Scharhof erwähnt und hat eine lange Geschichte, die man in der Chronik zum 150- jährigen Kirchenjubiläum 2004 von Alfred Heierling nachlesen kann.
Was könnte diese Kirche für Geschichten erzählen, wie viele Pfarrer haben in dieser Kirche gepredigt und den Menschen Halt gegeben.

Heute haben wir ein junges Pfarrerehepaar Rebekka und Wolfram Langpape, welches mit ihren beiden Kindern das Pfarrhaus neben der Kirche bewohnt und mit Leben füllt.

Es ist ihre erste Pfarrstelle.
Doch ich finde die beiden machen ihre Sache richtig gut.
Lebendige Gottesdienste und mancher „besondere Gottesdienst“ hat schon fast Kultstatus.
Wenn man sieht, wie sie sich hier in Sandhofen eingelebt haben, so kann man mit Fug und Recht sagen, dass sie auf dem besten Wege sind richtige Kurpfälzer zu werden.

Hans-Ulrich Waldmann